Friedrich Hertz

»Historiker, Soziologe, * 26.3.1878 Wien, † 20.11.1964 London. (katholisch)

H. hat in Wien die Volks- und Mittelschule besucht und dann an den Universitäten in Wien, München und London Jura und Volkswirtschaftslehre studiert. Er war Sekretär des Hauptverbandes der Industrie Österreichs, später Beamter (Hofrat) im Bundeskanzleramt in Wien und 1930–33 Ordinarius für Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der Universität Halle. Seit 1938 lebte er als wissenschaftlicher Schriftsteller in London.

Das Lebenswerk H.s umfaßt drei Hauptgebiete: Volkswirtschaftspolitik, politische Soziologie und Sozialgeschichte. Freilich ist es damit keineswegs erschöpft. Die Arbeiten auf dem ersten Gebiet, wie ›Die Produktionsgrundlagen der österreichisch Industrie vor und nach dem Kriege‹ (1917) und ›The economic Problems of the Danubian states‹ (London 1947), sind weitgehend auf den Donauraum abgestellt. Hier vertritt H. die Auffassung, daß die Habsburgische Monarchie eine fast ideale Wirtschaftseinheit darstellte, und zwar nicht auf Grund besonders günstiger wirfschaftsgeographischer Bedingungen, sondern im Hinblick auf die sich ausgezeichnet ergänzende soziale Struktur der Donauvölker. Das Zerschlagen dieser Wirtschaftseinheit hat nach H. dem totalitären Machtdrang die Pforten geöffnet. – Bekannter noch sind H.s Hauptarbeiten auf dem Gebiet des Rassen- und Nationalitätenproblems, wie ›Moderne Rassentheorien‹ (1904), ›Rasse und Kultur, Eine kritische Untersuchung der Rassentheorien‹ (1925), ›Nationalgeist und Politik‹ (1937) und ›Nationality in history and politics‹ (London 1944). H. tritt dem Rassenbegriff außerordentlich kritisch gegenüber. Soweit er überhaupt anwendbar ist, so meint er, sind Rassen wohl nicht geistig gleichwertig, besitzen aber doch grundsätzlich gleichartige Anlagen, und der Übergang der Mitglieder der einen Rasse in das Kulturerbe einer anderen ist ohne weiteres möglich. In bezug auf das nationale Problem, das sich für ihn durchaus nicht im Phänomen des Nationalismus erschöpft, legt er das Schwergewicht auf den Begriff des nationalen Bewußtseins und der Solidaritätsempfindung. Auch die Rolle der Tradition in der Bildung der politischen Nation wird stark unterstrichen.

Mit bewundernswerter Schaffenskraft und großem Eifer hat H. noch in hohem Alter 2 Bände eines als 3bändige Geschichte geplanten Monumentalwerkes, ›The development of the German public mind‹ (London 1957–62), fertiggestellt. Diese Geschichte der öffentlichen Meinungsbildung unter den Deutschen, ein durchaus originelles Werk, setzt mit dem Karolingerreich ein und führt bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches zu Anfang des 19. Jahrhundert.«

Kann, Robert A., in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 709–710

Bücher des Autors

1 Treffer

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Zweiter Teil, hrsg. von Moritz Julius Bonn. Deutsche Zahlungsbilanz und Stabilisierungsfrage, im Auftrage des Vereins veranstaltet von Karl Diehl / Felix Somary. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik 167/II)

1925. Tab.; III, 62 S.
Erhältlich als:  Buch, E-Book

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