Siegmund Hellmann

»Historiker, * 19.3.1872 München, † 7.12.1942 Theresienstadt. (israelitisch, dann evangelisch)

Nach Besuch des Max-Gymnasiums in München studierte Hellmann seit 1890 in München zunächst Rechtswissenschaft, seit 1892 (1893/94 in Berlin) Geschichte. Als seine Lehrer nennt er Heigel, Grauert, Seeliger und Simonsfeld. 1896 promoviert, habilitierte sich Hellmann in München 1899, erhielt dort 1909 den Titel eines außerordentlich Professors und wurde 1923 als Ordinarius an die Universität Leipzig berufen. Da diese Berufung entgegen den Vorschlägen der Fakultät von der damals linkssozialistischen sächsisch Regierung ausgegangen war, wurde der wissenschaftlich hochverdiente und schon in München pädagogisch bewährte linksliberal gesinnte Hellmann in Leipzig mit verbitternder Kälte empfangen, was aber seiner Wirkung keinen Abbruch tat; W. Stach, Hellmann Beumann unter anderem, und andere wurden seine Schüler. 1933 unter drückender Kürzung seiner Bezüge vom Lehrstuhl entfernt, lebte Hellmann wieder in München, einsamem Klavierspiel, der Lektüre der griechisch Klassiker und seiner Wissenschaft hingegeben. Als unentwegt um Deutschland besorgter Patriot schrieb er an einer ›Deutschen Geschichte‹. Er verließ Deutschland und München nicht, solange dazu Gelegenheit gewesen wäre, und wurde im Juli 1942 deportiert.

Schon als Student auf das stärkste von Ludwig Traube beeindruckt, später im engen Anschluß an den Romanisten Vossler und die Juristen Rothenbücher und von Schwerin, ein Verehrer Max Webers, (dessen Vorlesungen über ›Wirtschaftsgeschichte‹ er mit M. Palyi 1923 herausgab), war Hellmann sowohl als Philologe wie als Historiker dem Zeitstil voraus. In seinen Arbeiten über Gregor von Tours (1911), dessen fränkisch Geschichte er neu ins Deutsche übersetzte, und über Einhard (1932) machte er, Philolog und Historiker zugleich, die Erkenntnis des Kompositionsschemas der historischen Kritik dienstbar. Sein historisches Hauptwerk, in einer von L. M. Hartmann veranstalteten Sammlung zuerst 1920 (1924) erschienen, dem Andenken des von Hellmann besonders hoch gestellten K. W. Nitzsch gewidmet, bietet eine die Sozialgeschichte stark berücksichtigende, doch auch in der Erzählung der Ereignisse noch immer lesenswerte Darstellung: ›Das Mittelalter bis zum Ausgang der Kreuzzüge‹. Seit 1918 hat sich Hellmann mehrfach politisch geäußert und sich als Herausgeber politischer Schriften (von Max Weber, F. C. Endres, Hellmann Nawiasky) betätigt. Wegweisend sind seine Abhandlungen zur Methodik der mittellat. Philologie und des historischen Studiums (Wie studiert man Geschichte?, 1911, 1920).«

Heimpel, Hermann, in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 483

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Abriß der universalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Aus den nachgelassenen Vorlesungen hrsg. von S. Hellmann und M. Palyi

2011. 6. Aufl. (Auf Grundlage der 3., durchges. und erg. Aufl. 1958, besorgt von Johannes F. Winckelmann). 1 Abb.; 374 S.

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1920. 2., veränd. und erw. Aufl.. V, 107 S.
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Vortrag, gehalten im Freistudentischen Ortsverband München. Mit einem Anhang: Bibliographisches zum Studium der deutschen Geschichte

1911. 70 S.
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