Oscar Peschel

»Geograph, * 17.3.1826 Dresden, † 31.8.1875 Leipzig. (lutherisch)

P. verließ mit 14 Jahren das Gymnasium, absolvierte eine Kaufmannslehre und wurde privat auf das Abitur in Dresden vorbereitet. Seit 1845 studierte er in Heidelberg und Leipzig Jura und Geschichte. Nach dem juristischen Staatexamen im August 1848 wurde er im September in absentia an der Univ. Jena promoviert. P strebte eine Privatdozentur in Berlin an und kam dabei mit den Ereignissen der Märzrevolution in Berührung, über die er von dort sowie aus Wien als Korrespondent und seit 1850 als festangestellter Redakteur für die liberale Augsburger Allgemeine Zeitung, der zu dieser Zeit auflagenstärksten Zeitung Deutschlands, berichtete. Die beginnende Demokratenverfolgung in Sachsen und Preußen veranlaßte ihn, seinen Wohnsitz nach Bayern zu verlegen. Bis 1854 arbeitete er als Redakteur bzw. leitender Redakteur im Verlagshaus Cotta in Augsburg und übernahm 1854 die Leitung der Wochenzeitung ›Das Ausland‹, der damals einzigen geographischen Zeitschrift Deutschlands, die auch volkswirtschaftliche, politische und literarische Themen aufgriff. Durch P.s ›Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen‹ (1858) wurde Alexander v. Humboldt auf ihn aufmerksam, der ihn Leopold v. Ranke empfahl, worauf P. als Autor des von der Bayer. Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Werks ›Die Geschichte der Erdkunde bis auf A. v. Humboldt und Carl Ritter‹ (1865) verpflichtet wurde. P. wurde damit zum Geographiehistoriker, was zu einer Profiländerung der Zeitschrift ›Ausland‹ führte, deren Untertitel seit 1865 ›Überschau der neuesten Forschungen auf dem Gebiete der Natur-, Erd- und Völkerkunde‹ lautete. P. führte darwinistisches Gedankengut als historisches Prinzip in die Geographie ein und ordnete geographische Sachverhalte nach morphologischen Gesichtspunkten, ohne Feldforschung zu betreiben. In Auseinandersetzungen mit Henry T. Buckle bzw. mit den Schülern Garl Ritters entwickelte P. seit 1865 im ›Ausland‹ eine Geographiekonzeption, die er in seinem Werk ›Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde als Versuch der Morphologie der Erdoberfläche‹ (1870, 1883) zusammenfaßte. 1871 übernahm er den neugeschaffenen Lehrstuhl für Geographie an der Univ. Leipzig, nachdem er Berufungen nach Graz, München und Berlin abgelehnt hatte. P. reformierte die Geographie als Hochschulfach, erarbeitete physisch-geographische, wirtschaftsgeographische und länderkundliche Grundlagen und gab gemeinsam mit Richard Andree (1835–1912) den ›Physisch-Statistischen Atlas des Deutschen Reiches‹ (1876–78) als ersten Nationalatlas heraus. Das Ansehen P. s als geographischer Publizist, dessen Werke in mehrere Fremdsprachen übersetzt wurden, trug wesentlich zur Anerkennung der Geographie als Wissenschaft und der Geomorphologie als ihrer Teildisziplin bei. – korr. Mitgl. d. Bayer. (1858) u. d. Madrider Ak. d. Wiss.; o. Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. (1874); Goldene Medaille d. Pariser Geogr. Ges. (1870); sächs. GHR (1872).«

Gärtner, Rainer W., in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 209 f.

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