Syntagma

Verfasstes Recht, verfasste Gesellschaft, verfasste Sprache im Horizont von Zeit

2012. 2 Abb.; 545 S.
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68,00 €
ISBN 978-3-428-13871-5
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62,00 €
ISBN 978-3-428-53871-3
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82,00 €
ISBN 978-3-428-83871-4
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Price for libraries: 106,00 € [?]

Description

Auf diesen Seiten dokumentieren sich eine Arbeit für die Philosophie des Rechts, für die Reflexion der modernen Gesellschaft, die Theorie der Sprache und ein Annähern an das Rätsel der Zeit.

Syntagma bringt im Ersten Buch eine Theorie von Rechtsbegriff und Rechtstext, von begründeter Entscheidung statt Dezision. Im Zweiten Buch eine Theorie der modernen Gesellschaft, der sie durchziehenden Kämpfe, des Staats der europäischen Neuzeit und seiner Verfassung mit ihrem Muster von Spaltung und Widerspruch. Im Dritten Buch folgt ein Erörtern der Sprache am Leitfaden der Sprache des Rechts. Das Vierte Buch schließt, als Metatheorie zu dem, was die Reflexion in den drei ersten immanent antreibt, mit einer Phänomenologie von Zeit, die in einer Trias von Zeitbegriffen entfaltet wird. Recht erscheint als Sprache und ereignet sich in Zeit. Statt das nur über Recht und Verfassung zu sagen, wird dieser Grundsachverhalt hier immanent durchgespielt: von einer realistischen Theorie, deren Radikalität in eben dieser Immanenz besteht. Zeit des Rechts, Zeit der Gesellschaft, Zeit der Sprache. Zeit der Menschen.

Im Umkreisen dieser Gravitationszentren wird eine Fülle alter und neuer Probleme aufgeklärt, jeweils mit historischen und aktuellen Beispielen. So etwa die Formen und Rollen der Vorverständnisse, Ereignis und Situation, Recht und Sprache als Handeln. Dann der Anspruch von materialem Rechtsstaat und materialer Demokratie in einer inhaltlich bestimmten Republik und die lebenswichtige Rolle der (trans)nationalen Menschen- und Bürgerrechte unter der Herrschaft real existierender Oligarchien. Ferner das zentrale Problem der Gerechtigkeit und das elementare Bedürfnis nach Naturrecht, das auf heutigem Stand positivrechtlich erfüllt werden kann. Die alte Sicht von »Sein versus Sollen« – handlungstheoretisch, linguistisch und praktisch so nicht haltbar – wird realistisch aufgelöst. Ein Juridischer Imperativ wird formuliert und die Arbeitsethik der Rechtsarbeiter als entscheidend herausgestellt.

Ein Zentrum aller Analysen bildet das Urphänomen der Gewalt – gesellschaftlicher, rechtlicher und auch sprachlicher: Gewalt in Sprache und durch Sprache, einschließlich der Massenmedien, des öffentlichen Sprachgebrauchs, der Spielarten von Ideologie, des differenten Status von Meinung, Argument und Normtext beim Formulieren von Gründen. Dazu gehören auch die Rolle der Intellektuellen und die Position der Wissenschaft. Durch die sukzessiven Reduktionen von Demokratie, durch latenten Bürgerkrieg in Form eines Sozialkampfs von oben werden, zusammen mit oligarchischer Dominanz, Leistungsgrenzen des Verfassungsstaats greifbar. Dem bellum omnium contra omnes vor dem Verfassungstaat wird der Krieg der Wenigen gegen die Meisten im Verfassungsstaat als Gegenstand der Analyse angefügt.

Zusammen mit Rechtsdogmatik und Rechtslinguistik ergibt sich das Ensemble einer materialen Politischen Rechtslehre, das auch Zeugnis ablegt. Zeugnis von einem wissenschaftlichen Weg und einem Engagement – »politisch« im Sinn von: auf die Polis bezogen. Auf die Polis, für deren Verfassung (Syntagma) ihre Mitglieder kämpfen sollten wie für die Stadtmauer.

Es gibt kein Ganzes, das vorgegeben und aus dem zu deduzieren wäre. Doch geht es an jeder einzelnen Stelle um das Ganze im Sinn eines umfassenden Bewusstseins der Probleme, an denen gemeinsam weiter zu arbeiten ein Work in progress erfordert.

Overview

Erstes Buch: Recht, Text, Entscheidung

I. Zum Ausdruck »Recht«
II. Pfade zur Methodik
III. Normtexte, Begründungstexte
IV. Dezision oder Entscheidung

Zweites Buch: Lässt sich Leviathan verfassen?

I. Widerspruch und Spaltung im Verfassungsstaat
II. Was fangen wir mit dem Ausdruck »Nation« an?
III. Verfassungsstaat – weitere Normfragen
IV. Verfassungsstaat – faktische Fragen

Drittes Buch: Fast alles, außer sprechen, kann Sprache

I. Recht gibt es nur zu den allgemeinen Bedingungen von Sprache
II. Recht in Sprache, Sprache in Recht getaucht
III. Zu einer Gestalt von Theorie
IV. Eine Gestalt von Immanenz

Viertes Buch: Beinahe nichts, außer entzeiten, kann Zeit

I. Umkreisen von »Zeit«
II. Auf dem Weg zum Phänomen
III. Unterwegs zum Begriff
IV. Brechungen im Kristall

Abgekürzt nachgewiesene Literatur

Namenverzeichnis

Register

Press Reviews

»Auch juristische Texte können andeutungsvoll, verspielt und geheimnisvoll sein. Das macht die Lektüre zu einem intellektuellen Genuss, regt zu eigenem Nachdenken an. Der Band ist nichts anderes als ein großes Alterswerk, hier legt Müller Zeugnis ab. In älteren Zeiten hätte man vielleicht von Bekenntnis sprechen können. Dieses Buch kann nicht angemessen rezensiert werden, es muss gelesen werden.« Prof. Dr. Michael Droege, in: fachbuchjournal, 4/2014

»Der Titel benennt den Kern der von Müller seit den 1960er Jahren entwickelten Strukturierenden Rechtslehre. Rechtsarbeit ist (und soll sein) methodisch strukturierte Textarbeit interpretierender Subjekte mit dem Ziel der Transformation von nackter Gewalt in sprachlich verfasste Macht. Was für die moderne Rechtslinguistik unmittelbar einsichtig ist, erschüttert den Mainstream bis heute. [… ] Das Zeitkonzept durchdringt den strukturierenden Ansatz, dynamisiert – anders als die traditionelle Schule – seine Begriffe und macht Theorie zu einem ›work in progress‹. […] Wer es wagt, überkommene Konzepte in Rechtstheorie, -methodik und Verfassungsrecht zu prüfen und zugleich praktische Interdisziplinarität zu üben, findet hier den Schlüssel.« Prof. Friedemann Vogel, in: DAS ARGUMENT, 305/2013

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