Die DDR in Deutschland

Ein Rückblick auf 50 Jahre

2001. 6 Bildtafeln, Tab.; 936 S.
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104,00 €
ISBN 978-3-428-10418-5
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Description

Die wissenschaftliche Aufgabe der DDR-Forschung besteht vor allem darin, Staat, Gesellschaft, Geschichte, Wirtschaft, Soziales, Kultur, Mentales, Außen- und Sicherheitspolitik der DDR zu erforschen. Nach dem Zusammenbruch der DDR und mit der Wiedervereinigung ist in Wissenschaft, Publizistik, Politik und Öffentlichkeit häufig auf eine verbreitete Fehleinschätzung der DDR hingewiesen worden. Weder konservative noch liberale noch linke DDR-Forscher und Publizisten haben Zeitpunkt, Schnelligkeit und Ergebnis des Zusammenbruchs des SED-Herrschaftssystems vorhergesehen. Offenbar waren die Erkenntnismöglichkeiten um Prognosen der Entwicklung und Stabilität der DDR und des Ostblocks bei den Forschern ebenso beschränkt wie bei den Politikern. Eine weitverbreitete Kritik besagt, die DDR-Forschung habe das Ende der DDR nicht prognostiziert und schon damit ihre Inkompetenz unter Beweis gestellt. Sie verkennt, daß sich die Relevanz sozialwissenschaftlicher Forschung nicht durch ihre Prognosefähigkeit begründet, sondern durch die umfassende Analyse von politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Zuständen und Entwicklungsprozessen. Zentrale Strukturen und Prozesse der Herrschafts- und Gesellschaftsordnung und andere Gebiete konnten wegen Datenmangels weithin nicht erforscht werden. Wichtige externe Rahmenbedingungen und Einflußfaktoren, das wirkliche Denken und Fühlen der Bevölkerung, die Motive und Strategien der Herrschenden waren kaum berechenbar. Nach dem Öffnen der Archive hat sich dieser Zustand - wenn auch in der Retrospektive - grundsätzlich verändert. Jetzt kann Geschichte Politik in ihrem umfassendsten Sinne machen!

Die Fragestellungen haben sich Jahre nach der wirtschaftlichen und politischen Wiedervereinigung erweitert und verändert. Gewiß sind die interdisziplinären Fragen nach den Außenbeziehungen, der Herrschaft, der Gesellschaft, der Kultur und Mentalität und nach den Gründen für den Zusammenbruch geblieben, aber andere sind hinzugekommen: Wie geht die neue deutsche Gesellschaft mit der DDR um? Wie wirkt die DDR in die neue deutsche Gesellschaft? Daher hat der Titel dieses Sammelbandes auch seine Berechtigung. Verfasser sind Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und ehemalige politische Akteure und Diplomaten.

Overview

Inhalt: I. Einführung: H. Timmermann, Zwei Staaten in Deutschland - M. Mertes, Die Entstehung des Zehn-Punkte-Programms vom 28. November 1989 - II. Außenbeziehungen: H. Amos, Die "Nationale Front des demokratischen Deutschland". "Sprachrohr" der SED-Westpolitik (1948/49-1961) - I. Horváth, Die Revolution in Ungarn von 1956 und die DDR; einige Reflexionen aus Ungarn - M. Lemke, Jugoslawien und Rumänien im Konzept der völkerrechtlichen Anerkennung der DDR von 1949 bis 1967 - U. Pfeil, Die DDR und der Elysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 - A. Trzcielińska-Polus, Die Polen in der DDR und in den neuen Bundesländern - G. Wettig, Die Gründung der DDR vor dem Hintergrund von Stalins Deutschland-Politik - S. Schwarz, Das Verhältnis der DDR zur westeuropäischen Integration. Phasen der Wahrnehmung, Umdenken, Annäherung an die Realität (1950-1990) - J. Wüstenhagen, "... [das] Maximum für die DDR heraus[...]holen". Die Rolle von Werner Lamberz im Eritrea-Konflikt 1977/78. Ein Beitrag zur Außenpolitik der DDR - J. Nitz, Kontakte und Verhandlungen über Projekte zur Annäherung der Deutschen in den 80er Jahren; ein Insiderreport - I. F. Maximytschew, Deutsche Einheit und Einigung Europas. Moskau und die letzte Phase der deutschen Zweistaatlichkeit - M. Mertes, Geteilte Erinnerungen. Von der staatlichen Wiedervereinigung zur inneren Einheit - III. Herrschaft: T. Wunschik, "Häftlinge aller Länder, vereinigt euch!" Selbstbehauptung und politischer Protest von Gefangenen im DDR-Strafvollzug - J. Frölich, "Regierungspartei und Opposition" zugleich? Zur Politik der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands (LDPD) in der Wendezeit 1988-1990 - R. Höhne, Aufstieg und Niedergang einer nationalen Blockpartei 1948-1990 - S. H. Elsner, Eingaben im Visier des MfS. Eine erste Annäherung zum Thema 'Staatssicherheit und Eingabewesen' in der ehemaligen DDR - IV. Gesellschaft: E. Brislinger / B. Hausstein / E. Riedel, Sozialwissenschaftliche Daten zur Erforschung der DDR-Gesellschaft - P. Müller, "Zu viel altes Schema". Die Repräsentationsarchitektur in Ost-Berlin zwischen Abgrenzung und Anpassung - U. Müller, Autobahnbau in der DDR. Die Wandlung eines verkehrspolitischen Großprojekts vom Prestigeträger zur Devisenquelle - J. Hecht, Archivalische Quellen des Staatssicherheitsdienstes zur Gesellschaftsgeschichte der DDR - M. Jander, Opposition in einer nachnationalsozialistischen totalitären (Um-)Erziehungsdiktatur - B. Jansen-de Graaf, Zwischen 'Frieden' und 'Freiheit'. Die niederländischen Kirchen und Friedensbewegungen und die DDR - C. Koch, Handlungsspielräume der Kirchen in der DDR; dargestellt am Beispiel der evangelischen Jugendarbeit (1945-1953) - L. Kirschner, Gesellschaftskonzeptionelle Vorstellungen der SED-Reformer in den 80er Jahren - S. Kenawi, Frauengruppen in der DDR der 80er Jahre. Thesen für eine nichtstaatliche Frauenbewegung - H. Stuhler / J. Wedl, Bleibt alles anders? Transformationen im Alltag ostdeutscher Frauen - U. Stolle, Von der Bewegung der Bürger und den "Bürgerbewegungen". Handreichungen für eine Historisierung der Revolutionsgeschichte von 1989/90 - S. Nicolai, Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen als Erklärungsfaktor für das ostdeutsche Konsumverhalten - S. Korzilius, Kriminalitätsursachenforschung in Ost und West. Die DDR-Kriminologie im Vergleich mit Michael R. Gottfredson / Travis Hirschi: A General Theory of Crime - W. Richter, Die Leiter des Militärischen Nachrichtendienstes der NVA in der DDR - L. Mertens, Wissenschaftler als Remigranten in die SBZ/DDR. Ein Überblick - V. Kultur und Mentalität: A. Preiß, Die Debatte um die Weimarer Ausstellung "Aufstieg und Fall der Moderne" - B. Lindner, "So war es nicht!"; "Genau so war es!" Deutsch-deutsche Dialoge in Ausstellungen mit Kunst aus der DDR - A. U. Martens, Der Streit um die deutsche Kultur - B. Ihme-Tuchel, Die frühe Schriftstellerpolitik der SED und das "Desaster der interpretierenden Klasse" - H. Nijssen, Vom Starnberger See bis zur Wartburg. Brückenschläge für die kulturelle Einheit 1949-1961 - W. Kraushaar, Die Abhauer. Zur Rolle von DDR-Flüchtlingen in der 68er-Bewegung - C. Gaumann, Ost-Identität: Mehr als Trotznostalgie? - T. Ahbe, 'Ostalgie' als Laien-Praxis in Ostdeuschland. Ursachen, psychische und politische Dimensionen - T. Beutelschmidt, "Alles zum Wohle des Volkes?!" Die DDR als Bildschirm-Wirklichkeit vor und nach 1989. Einige Anmerkungen zur deutsch-deutschen Medienentwicklung - S. Schütz, Von Sputnik, Thälmann und Jolanthe. Die Jugendstunden zur Vorbereitung auf die Jugendweihe (1954-1971) - I. Reichart-Dreyer, Erfahrungen, Orientierungen und Zielvorstellungen in der DDR im Umbruch 1989/90. Über die Anerkennung der Unterschiede zur inneren Einheit - K. Urich, Deutsche Einheit oder eigenständige DDR. Das Spannungsfeld der Bürgerbewegungen im Jahr 1989/90 am Beispiel des Neuen Forums in Berlin und in Dresden - VI. Der Fall der Mauer: G. Schabowski, Der Fall der Mauer am 9. November 1989 - M. Wilke, Maueröffnung oder durch Wiedersehen zur deutschen Einheit - K. W. Fricke, Anmerkungen zum Fall der Berliner Mauer - B. Rowe, Das Ende der Mauer aus britischer Sicht

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