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Gewohnheitsrecht – Rechtsprinzipien – Rechtsbewußtsein (RT 3–4/2004)

Transformationen der Rechtskultur in West- und Osteuropa. Interdisziplinäres Symposion 2004 an der Universität Münster. SONDERHEFT RUSSLAND / OSTEUROPA

Rechtstheorie (RT), Band 35, Heft 3–4
2004. S. 287–680.
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85,80 €
ISBN 978-3-428-12086-4
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Beschreibung

Dieses Sonderheft, fokussiert auf Rußland und Osteuropa, schließt an frühere Untersuchungen zur Rechtskommunikation an, in denen die Rechtssysteme der modernen Gesellschaft - unbeschadet der fortlaufenden Transformationsprozesse in West und Ost! - im geschichtlichen, politisch-kulturellen und weltgesellschaftlichen Zusammenhang als Informations- und Kommunikationssysteme verstanden werden. Es bündelt die Proceedings eines internationalen und interdisziplinären Symposiums, das an der Universität Münster unter dem Rahmenthema "Recht - Norm - Kanon: Symbolische Ordnungen in den Kulturen Osteuropas" stattfand. Die fachsystematisch heterogenen Beiträge sind - ihren Schwerpunkten nach - der Osteuropa-Forschung, der Geschichte, der Slavistik, Baltistik und Germanistik zuzurechnen, doch werden auch sonstige sprachwissenschaftliche und linguistische Themen, politik- und kulturwissenschaftliche Problemstellungen sowie ausgewählte Fragestellungen des geltenden Rechts (Rechtsstaat, Sozialstaat) und der Rechtsphilosophie behandelt, vor allem mit Blick auf Rußland und seine europäischen Nachbarn. Dies geschieht zugleich in komparativer, auf die zunehmende Globalisierung aller Rechtskommunikation gerichteter Perspektive.

Der hier verwendete Begriff der normativen Kommunikation, insbesondere derjenigen im Bereich des Rechts - manche Autoren sprechen lieber von juristischer Hermeneutik, Rhetorik oder vom Diskurs - deckt den gesamten Gegenstandsbereich wirklicher/möglicher Kommunikation von Recht ab, umfaßt also auch die sozialen Beziehungen zwischen den Rechtsnormen und dem Handeln. Recht und Rechtsordnung werden somit nicht reduziert auf das vom Staate gesetzte oder wie auch immer von ihm abgeleitete Recht, sondern als Ausdruck sozialer Kontrolle und politischer Kultur verstanden, d. h. nicht nur in nationaler, sondern auch in inter-, supra- und transnationaler Perspektive gedeutet.

In rechts- und gesellschaftstheoretischer Hinsicht werden drei Problemkreise behandelt, nämlich (i) die vielschichtige Problematik der politisch, kulturell und sozial geprägten Ausbildung des Rechtsbewußtseins, die nicht nur Rußland und Osteuropa betrifft, weil sie sich nicht bloß lokal und regional, sondern global stellt. Ferner ging und geht es (ii) um die Ausbildung und Entwicklung von Rechtsgemeinschaften neben und unabhängig vom Staat und etwaigen zwischenstaatlichen Rechtsbildungen, also auch um transnationale Gebilde - und (iii) um die in den diversen Rechtssystemen sich bietenden Möglichkeiten der Beobachtung (Selbstbeobachtung, Fremdbeobachtung) und Beschreibung der existierenden Rechtsstrukturen und ihrer Verbindung mit den Tiefenstrukturen der Gesellschaft.

Inhaltsübersicht

Inhalt: A. Sproede, Vorwort - W. Krawietz, Glokalisierung der Rechtskommunikation? Zum Globalisierungsdiskurs in der modernen Rechts- und Gesellschaftstheorie. Editorial - I. Rechtsordnung und soziale Kontrolle: E.-M. Auch, Adat - Šarī'a - Zakon. Zur Implementierung russischen Rechts in Kaukasien - L. Maier, Terror, Religion und Justiz. Vera Figners Lebenserinnerungen wiedergelesen - F. Nethercott, Discipline or Punish? Russian Criminal Justice in the Era of Reform - II. Sprache, juristische Rhetorik und rechtliche Kommunikation: E. Kantypenko, Klassische Plädoyers in Strafprozessen der "europäischen Ära" russischer Rechtsentwicklung nach der Justizreform von 1864 - S. G. Köhler, Verstehen vor Gericht. Zum Verfahrensbegriff als diskursiver Schnittstelle zwischen Recht und Literatur in der Moderne - C. Schindler, Delinquenz und Sondersprachen in Rußland. Funktionen sowjetischer und russischer Argotwörterbücher von 1917 bis heute - III. Rechtsbewußtsein und Rechtskultur in vergleichender Perspektive: G. Schomacher, Geschichte, Mentalität und Recht. Zum Problem der Differenz respektive des Gegensatzes von 'westlicher' und russischer Rechtskultur - A. Sproede, 'Rechtsbewußtsein' (pravosoznanie) als Argument und Problem russischer Theorie und Philosophie des Rechts - E. M. Swiderski, Conceiving Social Reality in Post-Soviet Russia: A Question of Familiar or Innovative Representations? - IV. Liberalismus, Rechts- und Sozialstaat in Theorie und Praxis: P. Frick, Lev Petražickij und das Eigentum. Beobachtungen zum Frühwerk - L. S. Mamut, Thesen zum Begriff des Rechts im Kontext der Sozialstaatslehren - N. Plotnikov, Das "Recht auf menschenwürdiges Dasein". Zur rechtsphilosophischen Begründung des Sozialliberalismus in Rußland - A. Schlüchter, Gabriėl Feliksovič Šeršenevič - eine rechtspositivistische Verteidigung des Rechts und des Rechtsstaates in Rußland - V. Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung jenseits des konventionellen Rechtspositivismus: W. Krawietz, Gemeinschaft und Gesellschaft. Das Tönnies'sche Handlungs- und Forschungsparadigma in neueren Rechtstheorien - R. Narits, Die Rechtsordnung in Estland. Wesen und Rationalität der Erkenntnis - M. Schulte, Geltung und Wirksamkeit des Rechts der Gesellschaft. Eine Selbst- und Fremdbeschreibung des Rechtssystems

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