Vom sozialistischen Realismus zur Kunst im Sozialismus

Die Rezeption der Moderne in Kunst und Kunstwissenschaft der DDR

2001. 445 S.
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34,00 €
ISBN 978-3-428-10089-7
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Beschreibung

Ulrike Goeschen sieht in der Auseinandersetzung mit der modernen Kunst der 10er und 20er Jahre ein zentrales Paradigma für die Entwicklung der Kunst in der DDR. Die Autorin entfaltet ihre These, indem sie das Wechselverhältnis zwischen Künstlern, die an die deutsche Tradition einer engagierten Kunst anknüpften, Kunstwissenschaftlern, die durch die Aufarbeitung derselben deren Bestrebungen legitimierten, und Kulturpolitikern, die zunehmend an einer Integration von abweichender Kunst und Künstlern interessiert waren, untersucht. Diese gemeinsamen Anstrengungen innerhalb des restriktiven ideologischen und gesellschaftlichen Rahmens führten zur Herausbildung bestimmter Terminologien, mit denen sukzessive kritische, expressive, konstruktivistische und schließlich abstrakte Kunst gerechtfertigt werden konnten, was wiederum zunehmende künstlerische Freiheiten zur Folge hatte.

Durch diese Entwicklung, die die Autorin bis in die 70er Jahre in Malerei, Gestaltung und Architektur verfolgt, wurden aber gleichzeitig die wesentlichen Ansätze zu der fortschreitenden Auflösung des kulturpolitischen Konzepts des Sozialistischen Realismus geliefert. Zunächst verloren sich seine ästhetischen Vorgaben, dann die inhaltlichen Bestimmungen, und zuguterletzt brach sein Gerüst - das institutionelle Gefüge - zusammen. Damit bietet das Buch auch einen Erklärungsansatz für die Erosion der sozialistischen Gesellschaft von innen heraus.

Ulrike Goeschen, geboren 1961 in Lübeck. Studium der Kunstgeschichte, Publizistik und Slawistik an der Freien Universität Berlin. 1988 Magister, seither freiberuflich tätig, unter anderem im Architekturbüro Daniel Libeskind, als Lehrbeauftragte an der FU Berlin und bei der Ausstellung "7 Hügel. Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts" der Berliner Festspiele GmbH.

Inhaltsübersicht

Inhaltsübersicht: Einleitung - I. Voraussetzungen der neuen Kulturpolitik: Sozialistische Realismuskonzeptionen - Alfred Kurella als Beispiel für das sich wandelnde Kunstverständnis der Partei - Expressionismusdebatte - Das Projekt der Umerziehung - II. Im neuen Deutschland: Kulturbund und antifaschistischer Konsens - Institutionalisierung der Kunst - Beziehung zur Sowjetunion, Kulturoffiziere und Formalismuskampagnen - Stalinismus in der bildenden Kunst - 1953 und die Folgen - III. Proletarisch-revolutionäre Kunst als Tradition des sozialistischen Realismus: Kritischer Realismus - Die erste Künstlergeneration - Forschungsgruppen - Ausstellungen - IV. Integration des Expressionismus: Die dogmatische Sicht auf den Expressionismus - Barlach-Diskussion 1951 - Integration des Expressionismus durch Künstler - Expressive Malerei - Rezeption des Expressionismus - Antifaschistische Kunst als Kontinuität - V. Diskussion um die modernen Mittel: Entfremdung und moderne Gestaltungsmittel - Herbert Sandberg: Kritik eines antifaschistischen Künstlers - Der Artikel von Günter Feist in der "Bildenden Kunst" 1963/64 - Der V. Kongreß des VBKD, 24. 3. - 26. 3. 1964 in Berlin - Die Position von Siegfried H. Begenau - Kunst und Ausstellungen - Gegenläufige Argumentationslinien - VI. Rehabilitierung des Konstruktivismus: Industrielle Formgestaltung - Das Verhältnis zum Bauhaus - Architekturtheorie - Komplexe Umweltgestaltung - Konstruktivismus und Avantgarde - Nerlinger, Heartfield, Glöckner - Ausblick - Literaturverzeichnis - Dokumente - Anhang

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