Selbstschutz der Verfassung gegen Religionsgemeinschaften

Vom Religionsprivileg des Vereinsgesetzes zum Vereinigungsverbot

2004. 533 S.
Erhältlich als
118,00 €
ISBN 978-3-428-11473-3
sofort lieferbar
106,90 €
ISBN 978-3-428-51473-1
sofort lieferbar
Preis für Bibliotheken: 136,00 € [?]

Beschreibung

Religiöser Fundamentalismus, religiös motivierter Terrorismus und die wieder erstarkende Bindungskraft religiöser Systeme, die von Religionsgemeinschaften gebündelt werden, deren Glaubenslehren mit denjenigen Werten, auf denen der freiheitliche, demokratische und säkulare Rechtsstaat ruht, nur schwer zu vereinbaren sind, stellen die staatliche Rechtsordnung vor erhebliche Herausforderungen. Welche Handhabe hat der Staat des Grundgesetzes gegen Religionsgemeinschaften, die seine Fundamente in Frage stellen und bekämpfen? Während die Politik diese Frage mit der Streichung des Religionsprivilegs des Vereinsgesetzes beantwortet und so die Möglichkeit geschaffen hat, Religionsgemeinschaften - wie jeden anderen Verein auch - verbieten und auflösen zu können, hat sich aufgrund der lange Zeit unangefochtenen Exemtion religiöser Gemeinschaften vom Vereinsverbot bisher weder eine gefestigte staatskirchenrechtliche noch eine umfassende verfassungsrechtliche Dogmatik zum Verbot von Religionsgemeinschaften entwickeln können.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es deshalb, sowohl auf verfassungs- und demokratietheoretischer Ebene als auch in grundrechtsdogmatischer Hinsicht diejenigen Grenzen abzustecken, innerhalb derer Religionsgemeinschaften verboten werden können. Dabei wird der Stellenwert organisierter Religionsfreiheit in einer demokratischen Gesellschaft genauso beleuchtet, wie das Verhältnis der Art. 4, 9 II GG und Art. 137 III WRV zueinander neu ausgelotet wird. Der korporative Gehalt des Grundrechts der Religionsfreiheit versagt sich einer Übertragung sowohl der vereinigungsrechtlichen Normen des Grundgesetzes als auch der institutionellen Schrankenregelungen des Staatskirchenrechts und widerspricht einer undifferenzierten Anwendung des Vereinsgesetzes auf Religionsgemeinschaften. Ohne Verfassungsänderung zieht letztendlich allein das Gewaltverbot des Grundgesetzes der Freiheit der Religionsgemeinschaften und ihrer Mitglieder, einen Glauben zu bilden, zu haben, zu organisieren und in Gemeinschaft ungestört auszuüben eine nicht zu überschreitende Grenze.

Die Arbeit wurde von der "Juristischen Gesellschaft Ostwestfalen-Lippe" mit dem Dissertationspreis 2004 ausgezeichnet.

Inhaltsübersicht

Inhaltsübersicht: Einleitung - 1. Zum Problem und zu seinem Rahmen: Religion im Dienste am Staat und am einzelnen - Staatsraison ist Verfassungsräson - Religionsgemeinschaften und die freiheitlich demokratische Grundordnung - 2. Vereinsrecht und Religionsgemeinschaften: Ein historischer Aufriß - zurück zu den Anfängen?: Die Entwicklung der religiösen Assoziationsfreiheit in Preußen und im Reich - Die religiöse Assoziationsfreiheit in der Weimarer Republik - Religionsgemeinschaften unter dem Grundgesetz: Die vereinsrechtliche Gleichstellung - 3. Der Schutzbereich und die Schranken der Religionsfreiheit: Der Schutzbereich der Religionsfreiheit - Die Schranken der Religionsfreiheit: Das Verbot von Religionsgemeinschaften - Schlußbemerkung: Einfaches Gesetz oder de constitutione ferenda - Thesen der Arbeit - Literaturverzeichnis - Sachwortverzeichnis

Bücher aus denselben Fachgebieten

Warenkorb

Ihr Warenkorb ist leer.