Katte. Ordre und Kriegsartikel

Aktenanalytische und militärhistorische Aspekte einer »facheusen« Geschichte

2011. 2., durchges. und erw. Aufl. Frontispiz, 3 Abb., 1 farbige Bildtafel; 137 S.
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ISBN 978-3-428-13607-0
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ISBN 978-3-428-53607-8
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ISBN 978-3-428-83607-9
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Beschreibung

Kattes Todesurteil ist stilistisch gebrochen. Den »Küstriner Akten« fehlt seit 1826 ein zentraler Überlieferungsteil. Solche aktenanalytische Beobachtungen bilden den Anstoß für eine quellenkritische Auseinandersetzung mit der Geschichte anno 1730, als – nach landläufiger Kenntnis – der preußische Kronprinz Friedrich vor der drakonischen Strenge seines Vaters Friedrich Wilhelm I. ins Ausland zu entfliehen suchte, und sein bester Freund Hans Hermann von Katte dafür sein Leben verlor. Fiat justitia borussica oder Justizmord an einem Gardeleutnant?

Die Studie verbindet Aktenanalyse und Militärhistorie, um den Fall Katte über das bislang Bekannte hinaus aufzuklären. Erst aus diesem neuen Blickwinkel kann Hans Hermanns kurze Offizierkarriere im familiären Umfeld und in der Spannung zwischen Reichsdienst und Regimentskultur präzise nachgezeichnet werden; nur die Kriegsartikel taugen, um den Tatbestand Desertionskomplott angemessen einzuschätzen, in das der Kronprinz Keith, Katte und andere verstrickte. Die originelle Revision der »facheusen« Fakten wird durch originäre Quellen vertieft, denen in der 2., durchgesehenen und erweiterten Auflage u.a. die auch kulturgeschichtlich hochinteressanten Besitzinventare der Delinquenten angefügt sind. Ein Nachwort zu Rezension und Rezeption der 1. Auflage hebt die Arbeit auf den aktuellen Forschungsstand. Mit alledem möchte sie es dem Leser nach wie vor ermöglichen, sich ein eigenes Urteil zu bilden, ob das standhafte Köpenicker Kriegsgericht oder der pflichtgetriebene »Soldatenkönig« Gerechtigkeit ausübten, als es um Kattes Leben oder Tod ging.

Inhaltsübersicht

I. Kronprinzenkonflikt – Kattetragödie – Königsdrama

II. Unkonventioneller Geschäftsgang und individuelle Schriftgutformen: Das Kabinett, seine Ordres und Dekret-Schreiben

III. Die »Küstriner Akten«: Ein lückenhaftes Pertinenzgemenge

IV. Gardekürassier von Katte: zwischen Reichsdienst und Regimentskultur

V. Kronprinz Friedrich: Absolom in re, Apollon in spe

VI. Der König und sein Kriegsgericht: Militärische Justiz versus gesunder Menschenverstand?

Quellen-Anhang

Pressestimmen

»Kloosterhuis [hat] einmal mehr gezeigt, wie fruchtbar die Auswertung von Gerichts- und Kriminalsachen für die militärische Forschung sein kann.«
Janine Rischke, in: Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Bd. 13, 2/2009

»Der als Kritiker von Carl Hinrichs Arbeit zitierte preußische Staatsarchivrat Johannes Schultze (1881–1976) wäre über dieses Musterbeispiel einer Analyse frühneuzeitlicher Quellen des Lobes voll. Zunächst unternimmt Kloosterhuis eine minutiöse Analyse der Aktenentstehung und schafft damit erstmals eine solide Arbeitsgrundlage für jegliche weitere Forschung zum ›Kronprinzenprozeß‹ von 1730. Sine ira et studio bringt er sogar König Friedrich Wilhelm I. aus dem ›Schlagschatten‹. […] Kloosterhuis hat mit seiner Untersuchung und Darstellung des Aktenmaterials zum Katteprozeß ein Musterbeispiel geliefert, das sich auch gut als Lehrmaterial für Archivschulen eignen würde.«
Gerhard Knoll, in: Zeitschrift für Historische Forschung, 2/2008

»Kloosterhuis führt dem Leser eindringlich vor Augen, welche Antriebe und Hemmungen im König widerstritten und wie dieser nicht umhin kam, es mit ›ordre und Kriegsartikel[n]‹ zu halten. Mit ›Katte‹ liegt daher eine gleichermaßen interessante und sachlich fundierte, wie anregend zu lesende Studie auf breiter Quellenbasis vor, die sich durch pointierte Formulierungen und einen insgesamt sehr eingängigen Sprachduktus auszeichnet.«
Dirk Reitz, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift, Bd. 66, 1/2007

»Die Tragödie des Hans Hermann von Katte gehört zu den bekanntesten Ereignissen aus der Jugend Friedrich des Großen […]. Jürgen Kloosterhuis erzählt die Ereignisse anhand der Akten unter Einbeziehung der Vorgeschichte der Flucht. Dabei kommt er nüchtern und ohne das in dieser Frage so oft bemühte Pathos zu dem Ergebnis, daß Friedrich Wilhelm I. gar nicht anders handeln konnte, so grausam dies aus heutiger Sicht klingen mag. Auch die Anweisung, daß Friedrich die Hinrichtung Kattes mitansehen mußte, erscheint bei Kloosterhuis in einem anderen Licht: Durch Anordnung von Kattes Hinrichtung vor seinen Augen habe der König dem Kronprinzen ›und aller Welt‹ sichtbar machen wollen, ›wer die eigentliche Verantwortung für Hans Hermanns Katastrophe trug‹: sein eigener Sohn und Thronfolger.«
Uwe A. Oster, auf: www.damals.de, 26.01.2007

»[Hans Hermann von Kattes] Leben wird von Jürgen Kloosterhuis hier mit großem Einfühlungsvermögen nachgezeichnet. […] Das überaus gelungene, mit einem Quellenanhang versehene und durch Illustrationen bereicherte Werk dürfte das unzählige Male in vielfältigen Zusammenhängen behandelte Thema auf einen endgültigen Stand gebracht haben.«
Gerhard Sprenger, in: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte, 57/2006

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