Hugo Preuß

Studien zur Ideen- und Verfassungsgeschichte der Weimarer Republik. Erstveröffentlichung der Dissertation von 1955. Mit einem Nachwort von Manfred Friedrich

2000. 188 S.
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Beschreibung

Als Friedrich Ebert noch in den ersten Tagen der November-Revolution den liberalen Staatsrechtsprofessor Hugo Preuß mit dem Innen-Ressort der provisorischen Reichsregierung und damit vor allem mit der Aufgabe beauftragte, einen Entwurf für die neue Reichsverfassung auszuarbeiten, implizierte dies die Entscheidung gegen das Rätesystem und für die parlamentarische Demokratie. Anfang Januar 1919 legte Preuß seinen Entwurf vor und stieß damit sofort auf einen Widerstand der neuen republikanischen Regierungen in den Ländern.

Die hier von Gillessen vorgelegte Untersuchung kulminiert im Scheitern des Vorhabens Preuß', die Übermacht Preußens im Reich zu beenden und jene Form des Föderalismus zu überwinden, die Bismarck ihm in der (bis heute unreformiert gebliebenen) Institution des Bundesrates gegeben hatte. Im Hauptteil der Studie behandelt der Autor indessen die Genesis der Ideen, aus denen der Entwurf der Weimarer Verfassung hervorging.

Im Mittelpunkt steht Preuß' stringente Wahrnehmung der Ebenbürtigkeit und "Wesensgleichheit" von Gemeinde, Staat (Land) und Reich - jede dieser Gebietskörperschaften von gleicher staatlicher Qualität, jede demokratisch-selbstbestimmt und autonom in der rechtmäßigen Erfüllung der ihr von der Verfassung zuzuweisenden Aufgaben. Preuß zog diese beim Freiherrn von Stein ansetzende Linie über Otto von Gierke konsequent aus, an Rudolf von Gneist vorbei und in offenem Widerspruch sowohl zu den Anhängern der politischen Rechten, besonders in Preußen, als auch der positivistischen Schule der Staatsrechtswissenschaft unter Führung Paul Labands.

Gillessens 1955 als Dissertation entstandene Arbeit war, so schreibt Manfred Friedrich in seinem Nachwort, die erste, umfassende Arbeit über Hugo Preuß, und eine vergleichbare gebe es bemerkenswerter Weise bis heute nicht.

Die Arbeit wird erstmals veröffentlicht im 75. Todesjahr von Hugo Preuß.

Inhaltsübersicht

Inhaltsübersicht: Einleitung - I. Grundriß einer Staatslehre: Der Angriff auf die Souveränität - Der genossenschaftliche Staat - Rechtsstaat und Selbstverwaltung - Das anstaltliche Element - II. Ausbau der Selbstverwaltungslehre: Das Recht der Selbstverwaltungskörper - Der Gegensatz zu Gneist - Der Freiherr vom Stein: das Vorbild - Die "Urbanisierung" des Staates - III. Der liberale Publizist der Vorkriegszeit: Die Verwestlichung Preußens - Der Freundeskreis um "Die Nation" - Kurswechsel nach links - Nationalstaat und internationale Gemeinschaft - Der politische Professor - Der "Fall Preuß" - Judentum und Antisemitismus - IV. Im Roten Rathaus: Um die Freiheit der städtischen Selbstverwaltung - Sozialpolitik und Sozialreform in Berlin - Das Programm einer Verwaltungsreform in Preußen - V. Im Kriege: "Das deutsche Volk und die Politik" - Die "Neuorientierung" und das preußisch-deutsche Rätsel - Vorschläge zur Reform der Reichsverfassung - VI. Verfassungspläne des Winters 1918/1919: Berufung in die Reichsregierung - Die Konferenz der Sachverständigen - Die Gutachten Anschütz, Drews, von Payer, Meinecke - Der Neugliederungsplan - Die Denkschrift vom 3. Januar 1919 - Grundzüge des Verfassungsentwurfs - Der Staatsbegriff des Verfassungsentwurfs - Wirkungen auf die spätere Rechtslehre - VII. Das Werk von Weimar: Kampf mit den Einzelstaaten - Revision vor der Nationalversammlung - Demission wegen Versailles - VIII. Die letzten Jahre: Wiederaufleben der preußischen Frage - Die verschleppte Verwaltungsreform in Preußen - Das Ende des preußischen Problems - Streiter und Lehrer für die Demokratie - Anhang: Verzeichnis der Schriften von Hugo Preuß - Quellen-Verzeichnis - Literatur-Verzeichnis - Nachwort von Manfred Friedrich

Pressestimmen

»Dem Buch, das im Anhang eine vollständige Bibliographie von Hugo Preuß sowie ein Quellen- und Literaturverzeichnis, aber leider kein Register bringt, dankt der Leser nicht nur eine spannende Lektüre, sondern ungewöhnlich viele Informationen über die faszinierende Persönlichkeit eines großen Rechtsdenkers, ja ›eines der großen Vorbilder in der deutschen Geschichte‹, so Hucko in seinem Gedächtnisaufsatz (NJW 1985, 2309), über die neuere Rechtsgeschichte (namentlich des öffentlichen Rechts) und die jüngere politische Geschichte Deutschlands, deren wichtige Themen, wie Begrenzung des Staates, Selbstverwaltung, Ursachen für den deutschen ›Sonderweg‹ in politicis, die bis heute nachwirken und uns z. T., wie etwa die Frage nach einer guten Verfassung (für Europa!), wieder sehr beschäftigen. Gillessen urteilt mit erstaunlicher Reife, so z. B. über die angebliche Machtstellung des Reichspräsidenten (›Reichspräsident war nur dann stark, wenn das Parlament schwach war‹) und erfrischt den Leser immer wieder durch feinsinnige Bemerkungen.« Prof. Dr. h.c. Fritz Rittner, in: Juristenzeitung, 2/2001

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