(Hrsg.)
Hans Dernschwam's Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel und Kleinasien (1553/55)

Nach der Urschrift im Fugger-Archiv herausgegeben und erläutert von Franz Babinger

1986. Nachdruck der 1. Aufl. von 1923 mit dem Nachwort der 2. Aufl. von 1986 von Roman Schnur. Abb.; XXXVI, 318 S.
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ISBN 978-3-428-06097-9
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Beschreibung

Leseprobe:

"In dissem nachtleger haben wjr ein newe weyber tracht gesehen. Die weyber haben nicht schlayer wie in andern landen auff dem landt, sunder ein wydersinige tracht auff dem hawpt, wie ein vmbkerthe schussel. Ist vnden an dem haupt also weit, als an das hawpt mag gehen, vnd vbersich weith, vngeuarlich also. Das ein kron mag genent werden, so man noch in Behem vnd zw Vngern an vjll orthen vnder dem adell tragen het, von perlen, wie ich vjll gesegen. Aber diser armer bulgarischen pawersleut seind mit allerley glaswergk kernern geschmugt.

Die jungfrawen, wie man den rossen vjll zopffen flicht, vnd sicht wie ein gestrigte seydene hewben, vnd wie rosshar anzusehen. Tragen alle oren geheng von kupffer und pagament,Ž107) wie sy ire maister, die zigeiner, pflegen zumachen, schwer genug. Vmb den hals pflegen sy selczame gefes, von glaswerg, bayne, allerlej, was nur scheint vnd gleist, zutragen. Desgleichen tragen sy auch an den fingern vjll kupffren vnd messinge ringe."

Als gebildeter Mann nahm Hans Dernschwam (1494-1568) seine Tätigkeit als Syndikus der Familie Fugger 1525 auf, wo er eine leitende Position - zuständig für die vielen Unternehmen des Hauses in Ungarn - erlangte. Auf der Höhe seines beruflichen Wirkens verließ er den Konzern, um sich ausschließlich seinen persönlichen Neigungen zu widmen. 1553 schloß sich Dernschwam als Privatmann einer offiziellen Delegation des Kaisers an den Hof Sulejmans des Prächtigen in Konstantinopel an. Da der Sultan sich im Kriegslager in Amasia, Anatolien, befand, wurde die ursprüngliche Route erweitert.

Die Eindrücke - kulturgeschichtliche Feststellungen, aber auch wirtschaftsgeschichtliche Beobachtungen, die den Kaufmann Dernschwam interessierten, wie beispielsweise Maße, Gewichte, Lebensmittelpreise, verleihen den vorliegenden, detailreichen Aufzeichnungen (Notizen, Skizzen, Kommentare) einen wissenschaftlichen Wert. Die frische, unmittelbare Schilderung der Levante, angereichert durch Architektur- und Landschaftsbeschreibungen, bietet eine anregende Lektüre.

Das Reisetagebuch war über Jahrhunderte nur in handschriftlichen Kopien bekannt, bis die Urschrift am Ausgang des 19. Jahrhunderts auf Schloß Babenhausen (nahe Augsburg) entdeckt wurde. Der Orientalist Franz Babinger (1891-1967) gab Dernschwams Reisebericht 1923 im Auftrag der Fugger-Stiftung heraus.

Pressestimmen

»[D]as vorliegende Werk [ist] die wichtigste Quelle europäischer Humanisten bzw. Wirtschaftsleute und Diplomaten für die inneren Zustände des Osmanischen Reiches im mittleren 16. Jahrhundert.«
Anton C. Schaendlinger, in: Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes, 79/1989

»[Der Reisebericht] enthält eine unglaubliche Fülle an topographischen, antiquarischen (lateinische und griechische Inschriften), wirtschafts- und kulturgeschichtlichen Nachrichten, die noch lange nicht genügend ausgewertet sind.«
Klaus Belke, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Bd. 97, 1-2/1989

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