Diktaturen in Europa im 20. Jahrhundert - der Fall DDR
1996. Tab.; VIII, 732 S.
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ISBN 978-3-428-08957-4
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ISBN 978-3-428-78957-3
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Beschreibung

Eine ebenso kritische wie differenzierende DDR- und Deutschlandforschung ist unerläßlich, wenn es gelingen sollte, die Aufarbeitung der Geschichte der SED-Diktatur zu bewerkstelligen.

Sieben Jahre nach dem Mauerfall und sechs Jahre nach dem formalen Ende der DDR hat sich die nationale und internationale Wissenschafts-Community zur Aufarbeitung der zweiten Diktatur in Deutschland noch nicht gefunden, wenngleich vieles geleistet wurde und vieles noch bearbeitet wird.

Weder konservative noch liberale oder linke DDR-Forscher und Publizisten - auch nicht Politiker oder Wirtschaftsführer - haben Zeitpunkt, Schnelligkeit und Ergebnis des Zusammenbruchs des SED-Regimes vorhergesehen. Offenbar waren die Erkenntnismöglichkeiten um Prognosen der Entwicklung in der DDR und in Mittel- und Osteuropa bei den DDR-Forschern ebenso beschränkt wie bei den Politikern. Das hat wissenschaftlich seine Gründe: Zentrale Strukturen und Prozesse der Herrschafts- und Gesellschaftsordnung der DDR konnten wegen Datenmangels weithin nicht erforscht werden. Wichtige externe Rahmenbedingungen und Einflußfaktoren, das wirkliche Denken und Fühlen der Bevölkerung, die Motive und Strategien der Herrschenden in Krisenzeiten waren kaum berechenbar. Wenn außerdem nur unzuverlässige Daten über die wirtschaftliche und finanzielle Lage zugänglich sind, wenn unabhängige empirische und systemkritische Forschung im Lande selbst nicht möglich ist, dann können eigentlich Sozialwissenschaftler auch keine Projektionen oder gar Prognosen stellen, wobei Projektion und Prognose in politischen, kulturellen und psychologischen Bereichen zu den schwierigsten Unterfangen in der Sozialwissenschaft gehören.

Der Zusammenbruch des bürokratischen Sozialismus hat langfristige Ursachen, die in ihrem Zusammenwirken noch keinesfalls erforscht sind.

Es kann allerdings nicht geleugnet werden: Seit dem Mauerfall und dem Ende der DDR und danach wurden bisher nicht zugängliche Akten von verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft bearbeitet, teilweise aufgearbeitet. Zahl und Qualität der Publikationen sind beachtlich.

Der vorliegende Sammelband orientiert sich an folgenden Prämissen:

- Interdisziplinäre Ausrichtung,

- Präsentation aktueller Forschungsergebnisse.

Inhaltsübersicht

Inhalt: E. Jesse, Wahrnehmung der DDR in der Politik, der Publizistik und der Wissenschaft, vor 1989 und danach - T. Mayer, Probleme einer nachkommunistischen Gesellschaft - M. G. Goerner, Differenzierung, Unterwanderung und Kaderkonzept. Modelle der SED-Herrschaft anhand der Kirchenpolitik - F.-C. Schroeder, Die Rechtsprechung der DDR aus der Sicht des Bundesgerichtshofes - K. Pleyer, Das Recht als Herrschaftsinstrument in der DDR - A. Weinke, Strukturen und Funktionen politischer Strafjustiz in der DDR. Aktueller Forschungsstand und offene Fragen - H. Wentker, Volksrichter in der SBZ/DDR (1945-1952). Ausbildung, Weiterbildung und Einsatz einer neuen Juristenelite - P. Weber, Rechtsstaat Thüringen? Neuaufbau und Instrumentalisierung der Justiz in Thüringen nach 1945 - H.-P. Müller, Die Ersetzung des Berufsbeamtentums durch die Gesinnungsverwaltung. Ein Aspekt beim Aufbau der deutschen Volksdemokratie in der SBZ im Lichte der Akten des zentralen Parteiapparates der SED 1945-1948 - P. Skyba / U. Mählert, Vom "Ringen um die Hirne und Herzen der jungen Menschen". Entstehungsbedingungen, Ergebnisse und Funktion ostdeutscher Geschichtsschreibung zur Freien Deutschen Jugend - K. Thöns, DDR-Jugend auf "sozialistischem Kurs". Zwischen Anpassung und Opposition am Ende der 50er Jahre - M. Walter, Die Funktionen der Freien Deutschen Jugend im politischen System der DDR - D. Zilch, Wer war die FDJ? Untersuchungen zur demographischen, sozialen und politischen Struktur der Mitglieder des Jugendverbandes der DDR, einschließlich seiner Funktionäre - U. Sommer, Unter der Hegemonie der SED. Kein ganz normaler Parteitag der LDPD im Mai 1953 - C. Tessmer, "Wir brauchen den ständigen Dialog". Die Beziehungen zwischen FDJ und LDPD in den achtziger Jahren - T. Wunschik, Das Ministerium für Staatssicherheit und der Terrorismus in Deutschland - S. Suckut, Zum Verhältnis von Staatssicherheit und SED in den sechziger Jahren. Eindrücke nach ersten Archivreisen - W. Süß, Der Staatssicherheitsdienst im Herbst 1989 - F. Petzold, Zu einer elementaren MfS-Dienstvorschrift der achtziger Jahre für das Grenzregime - I. Bennewitz, Die beiden Zwangsaussiedlungsaktionen 1952 und 1961 - G. Besier, Die Einsicht in Schuld und die Freiheit, neu anzufangen. Fünf Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung - R. Brauckmann, Weitgehende Anpassung. Die evangelische Kirche des Görlitzer Kirchengebietes 1975-1990 - W. Thumser, "Kirche im Sozialismus" als Kirche in einer "mündigen Welt" - P. Maser, "Beitrag zur Klärung der Grundfragen christlicher Existenz"? Zur Rolle der Ost-CDU an den Theologischen Fakultäten / Sektionen der DDR - A. Boyens, "Geteilter Friede". Anmerkungen zur Friedensbewegung in den achtziger Jahren - W. Otto, Gemeinsamkeiten und Unterschiede oppositioneller Handlungen in der SED bis zur Entmachtung der Staatspartei. Forschungsergebnisse und Probleme - H. Eberle, Weder Gegnerschaft noch Abwerbung. Zu den Motiven republikflüchtiger SED-Mitglieder aus dem Bezirk Halle im Jahr 1961 - O. Werner, "Politisch überzeugend, feinfühlig und vertrauensvoll"? Eingabenbearbeitung in der SED - R. Thomas, Zum Projekt einer Kulturgeschichte der DDR - T. Kluttig, Das Schulungssystem der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (1946-1961). Theorie und Praxis - U. Neuhäuser-Wespy, Zur Gleichschaltung der DDR-Geschichtswissenschaft in der DDR. Die Historikerkonferenzen der SED 1956-1958 - J. Roesler, Die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands in der Nachkriegszeit (1945-1949) aus der Sicht der ersten Hälfte der 90er Jahre - K. Eckart, Die wirtschaftliche Bedeutung der Schwarzmetallurgie (= Eisen- und Stahlindustrie) in der DDR - H. Timmermann, DDR-Außenpolitik als Instrument - M. Tantzscher, Die Stasi und ihre geheimen Brüder. Die internationale geheimdienstliche Kooperation des MfS - M. Wilke, Interventionspolitik: Die SED und der Prager Frühling 1968 und die polnische Demokratiebewegung 1980/81 - W. Pfeiler, Alternativen der Deutschlandpolitik unter Breshnew und Andropow - K. Ziemer, Die Beziehungen zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen in den 80er Jahren - F. Sirjacques-Manfrass, Die Rolle Frankreichs aus der Sicht der DDR und Frankreichs Haltung zur Wiedervereinigung - A. Biefang, Die SBZ/DDR in der Sicht der politischen Eliten der Bundesrepublik Deutschland. Zur Bedeutung des Gesamtdeutschen Ausschusses des Deutschen Bundestages 1949-1953 - S. Meining, Im Schatten der Vergangenheit. Ostdeutsch-jüdisch-amerikanische Beziehungen (1974-1989) - M. Richter, Das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung. Ein "Kind der Wende"

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