Die societas leonina in der europäischen Privatrechtsgeschichte

Der Weg vom Typenzwang zur Vertragsfreiheit am Beispiel der Geschichte der Löwengesellschaft vom römischen Recht bis in die Gegenwart

2003. 2 Tab., 1 Abb.; 536 S.
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Beschreibung

Das Thema der Untersuchung ist die Entwicklungsgeschichte der societas leonina (Löwengesellschaft), eines gesellschaftsrechtlichen Instituts, das seinen Ursprung im antiken römischen Recht hat. Seinen Namen verdankt es der Fabel von der Jagdgesellschaft des Löwen, der seine Jagdgenossen nicht an der gemeinsamen Beute teilhaben läßt. Demgemäß handelt es sich bei der societas leonina als Rechtsinstitut um eine Gesellschaft, in der ein Gesellschafter von der Beteiligung an dem erzielten Gewinn vertraglich ausgeschlossen ist.

Kai-Michael Hingst folgt der Spur der societas leonina, zu der bislang erst eine kurze Monographie aus dem Jahr 1738 vorlag, durch die Epochen der europäischen Privatrechtsgeschichte vom römischen Recht bis in die Gegenwart. Dabei zeigt sich, daß die Bedeutungsverschiebungen, denen der Ausdruck "societas leonina" im Laufe der Zeit unterlag, auf die Beantwortung der im Mittelpunkt stehenden Rechtsfrage zurückwirken, wie eine societas leonina rechtlich bewertet wird, d. h. in welcher Form, aus welchen Gründen und mit welchen Folgen sie als wirksam oder unwirksam angesehen wird. Während die Römer eine societas leonina für nichtig hielten, weil sie bei formaler Betrachtung keinem der anerkannten Vertragstypen entsprach, setzt mit dem Usus modernus die Tendenz zu ihrer materialen Bewertung ein, so daß eine societas leonina heute, sofern der vom Gewinn ausgeschlossene Gesellschafter nicht sittenwidrig übervorteilt wird, kraft Vertragsfreiheit als wirksam angesehen werden kann. Ein Rechtsvergleich erweist, daß die societas leonina noch im geltenden Recht der europäischen Staaten präsent ist: Die Löwengesellschaft im deutschen Sprachraum, die société léonine in Frankreich, der patto leonino in Italien und das leeuwedeel-beding in den Niederlanden sind - ungeachtet ihrer Unterschiede im einzelnen - Früchte vom selben, römischrechtlichen Stamm.

Inhaltsübersicht

Inhaltsübersicht: Einleitung - 1. Teil: Die societas leonina im römischen Recht: Klassisches römisches Recht - Justinianisches Recht - 2. Teil: Die societas leonina in der mittelalterlichen Rechtswissenschaft: Glossatoren - Kommentatoren - Konsilienliteratur - 3. Teil: Die societas leonina von der Zeit der praktischen Rezeption des römischen Rechts bis zum Usus modernus: Deutsche Rechtsreformationen - Elegante Jurisprudenz - Usus modernus pandectarum - Gutachten, Fakultäts- und Gerichtsentscheidungen aus dem späten 17. und dem 18. Jahrhundert - 4. Teil: Die societas leonina im Zeitalter des Naturrechts: Werke von Naturrechtlern - Naturrechtskodifikationen - 5. Teil: Die societas leonina in der deutschen Rechtswissenschaft, Gesetzgebung und Rechtsprechung des 19. Jahrhunderts: Rechtswissenschaft - Gesetze und Gesetzesentwürfe - Rechtsprechung - Entstehungsgeschichte des BGB und des HGB - 6. Teil: Die societas leonina im geltenden Recht europäischer Staaten: Geltendes Recht ausländischer europäischer Staaten - Geltendes deutsches Recht - Vergleich der Erscheinungsformen der societas leonina im geltenden Recht europäischer Staaten - Rückblick - Zusammenfassung / Summary - Anhang - Literaturverzeichnis - Personenverzeichnis / Sachverzeichnis / Rechtsquellenverzeichnis

Pressestimmen

»Der Verfasser führt den Leser auf einem interessanten Rundgang durch die einschlägige dogmatische Literatur und normative Quellen. [...] Hingst geht auf die oft vernachlässigten Autoren der sog. französischen eleganten Jurisprudenz oder des Usus modernus ebenso ein wie auf die außerdeutschen Kodifikationen des 19. Jahrhunderts und das geltende ausländische Recht. Flüssige Übersetzungen aller lateinischen Zitate sowie der stete Verweis, welcher der fünf möglichen Lesarten der Digestenstelle die jeweilige Quelle folgt (alle Varianten finden sich in einem nützlichen Schaubildanhang), sind ungemein hilfreich [...]. Er hat wichtige Entwicklungslinien zum heutigen Verständnis der Personengesellschaften aufgezeigt.«
Susanne Lepsius, in: Zeitschrift für Europäisches Privatrecht, 14/2006

»Hingst ist für ein klar geschriebenes, äußerst materialreiches, ja im wahrsten Sinne enzyklopädisches Werk zur societas leonina zu danken. […] [Es] wird jeder an der societas und ihrer Geschichte in den europäischen Rechtsordnungen Interessierte diese Studie mit Vergnügen und Gewinn heranziehen.«
Franz-Stefan Meissel, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Romanistische Abteilung, 123/2006

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