Die Einrede des nichterfüllten Vertrages

Zur historischen Entwicklung des synallagmatischen Vertragsvollzugs im Zivilprozeß

2000. 169 S.
Erhältlich als
52,00 €
ISBN 978-3-428-10069-9
sofort lieferbar
46,90 €
ISBN 978-3-428-50069-7
lieferbar innerhalb von 2–4 Werktagen
[Warum nicht sofort?]
 
Preis für Bibliotheken: 60,00 € [?]

Beschreibung

Untersucht werden die Begründung und Entwicklung des Prinzips, wonach der Vertragsschuldner nicht zur Erfüllung der ihm obliegenden Verpflichtung gezwungen werden kann, solange ihm ein unerfüllter Anspruch auf die Gegenleistung zusteht. Im römischen Recht konnte keine Partei ihre Verurteilung mit der Begründung abwenden, sie habe die Gegenleistung noch zu erhalten. Wegen der ausstehenden Gegenleistung war sie darauf verwiesen, ihrerseits Klage zu erheben ("independence of actions"). Eine rechtsprinzipielle Einrede des nichterfüllten Vertrages war nicht anerkannt. In der Zeit Diokletians hat man die Ansprüche der Vertragsparteien in ihrer prozessualen Durchsetzung koordiniert, indem man den Richter zur Verurteilung auch des Klägers ermächtigte. Das justinianische Recht hat dann die Rechtsfigur der "Einrede des nichterfüllten Vertrages" eingeführt, indem man Ausnahmeentscheidungen des klassischen Rechts verallgemeinerte. Die mittelalterliche Rechtswissenschaft hatte diese im justinianischen Recht nur erst postulierte Einrede (exceptio non adimpleti contractus) in eine funktionierende Prozeßtechnik umzusetzen. Die Verurteilung zur Leistung "Zug um Zug" war dem justinianischen Recht fremd und konnte sich nur mühsam durchsetzen. In der deutschen Rezeptionsjurisprudenz ist man dazu übergegangen, die Erbringung der Gegenleistung als Voraussetzung für eine wirksame Klageerhebung anzusehen. Mit der Behauptung, die Gegenleistung stehe noch aus, rügt der Beklagte demnach eine unzureichende Klagebegründung; es handelte sich nicht mehr um eine regelrechte Einrede. Diese Lehre des usus modernus wird vom preußischen Allgemeinen Landrecht rezipiert. 1824 beginnt mit einem Aufsatz Heerwarts die Rückkehr zur Tradition des gemeinen Rechts: Das sächsische BGB verwirklicht die Einrede-Lösung, die vom Dresdner Entwurf und dann auch vom BGB übernommen wird.

Inhaltsübersicht

Inhaltsübersicht: Einleitung - 1. Teil: Römisches Recht: Das Recht des Formularprozesses - Die Richterbefugnis zur Klägerverurteilung in Kaiserkonstitutionen bis Justinian - Das Recht der Justinianischen Kodifikation - 2. Teil: Die exceptio non adimpleti contractus im Mittelalter und in der Neuzeit: Glossatoren - Kanonisten - Jacobus de Ravanis - Kommentatoren - Französische Renaissancejurisprudenz - Römisch-Holländisches Recht - Deutsche Rezeptionsjurisprudenz bis zum usus modernus - Christian Wolff als Vertreter der Naturrechtslehrer - Die Kodifikationen in Preußen, Österreich und Frankreich - 3. Teil: Die Entwicklung im Deutschland des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts: Die deutsche Literatur des neunzehnten Jahrhunderts - Die Gesetzgebungen im neunzehnten Jahrhundert - Das zwanzigste Jahrhundert - Literaturverzeichnis - Namen- und Sachregister - Quellenregister

Bücher aus denselben Fachgebieten

Warenkorb

Ihr Warenkorb ist leer.