Das pädagogische Jahrhundert in der Praxis

Schulwandel in Stadt und Land in den preußischen Westprovinzen Minden und Ravensberg 1648-1816

1998. Tab., Abb., 1 farbige Karte; 466 S.
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96,00 €
ISBN 978-3-428-09261-1
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Beschreibung

Studien zur Geschichte der schulischen Praxis sind bei der historischen Erforschung des Bildungswesens noch durchaus selten, erst seit den 1970er Jahren läßt sich eine "realistische Wende" in der Bildungsforschung erkennen: weg von geistesgeschichtlichen Fragestellungen und hin zur Geschichte des pädagogischen Alltags ("Schulwirklichkeit"). Ein solcher sozialgeschichtlicher Ansatz wurde auch dieser Arbeit über das Schulwesen in den seit der Mitte des 17. Jahrhunderts zu Brandenburg-Preußen gehörenden Landesteilen Minden und Ravensberg im östlichen Westfalen zugrunde gelegt.

Basierend auf Quellenstudien in insgesamt elf Staats-, Kommunal-, Stadt- und Kirchenarchiven werden die Territorien bezüglich administrativer, wirtschaftlich-gesellschaftlicher sowie konfessioneller Aspekte untersucht und nach dem "Nebenlandstatus" dieser beiden Landesteile im preußischen Gesamtstaat gefragt. Die Arbeit ist daher nicht nur der Beschäftigung mit dem höheren und niederen Schulwesen gewidmet, sondern behandelt auch die nach wie vor aktuelle Frage nach dem Verhältnis Preußens zu seinen Provinzen und verdeutlicht bei der Betrachtung des Strukturproblems "Zentralismus oder Regionalismus" die Grenzen der absolutistischen Verstaatlichung und damit das "Nichtabsolutistische im Absolutismus".

Die Ergebnisse zur Entwicklung der 'Schulrealität' an den öffentlichen Bildungseinrichtungen in Minden-Ravensberg sowie der komparatistische Ansatz der Arbeit zeigen, daß das "pädagogische Jahrhundert" nicht nur auf dem Papier und in den Köpfen der Aufklärer stattfand, sondern konkrete Veränderungen und Fortschritte mit sich brachte. Vor allem durch die Initiative zahlreicher Geistlicher gab es eine große Anzahl an durchgeführten Verbesserungsmaßnahmen und lokal wirksamen Einzelreformen, so daß ein "pädagogisches Jahrhundert" nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis gerade der ländlichen Elementarschulen in Minden-Ravensberg existiert hat.

Inhaltsübersicht

Inhaltsübersicht: Kapitel I: Thema und Methode - Quellen und Literatur: Staatliche Administration und Schulreformen in den preußischen Landesteilen Minden und Ravensberg im 17. und 18. Jahrhundert - Kapitel II: Absolutistischer Staat und Nebenland: Brandenburg-Preußen und seine Westprovinzen Minden und Ravensberg im 17. und 18. Jahrhundert - Kapitel III: Das Phänomen der 'langen Dauer' in der Bildungsgeschichte: Entstehung und Grundzüge des öffentlichen Schulwesens in Minden und Ravensberg seit dem 16. Jahrhundert - Kapitel IV: Die Ideen des 'pädagogischen Jahrhunderts' in der Praxis: Schulreformen in Minden-Ravensberg seit der Mitte des 18. Jahrhunderts - Kapitel V: Regionales preußisches Schulwesen oder überterritoriale Bildungslandschaft? Die schulische Entwicklung Minden-Ravensbergs im Vergleich - Kapitel VI: Resümee und Ausblick: Die Humboldtschen Reformen als bildungsgeschichtliche Zäsur? Zur Kontinuitätsproblematik am Ende des Alten Reiches - Anhang - Quellen- und Literaturverzeichnis - Orts- und Personenregister - Sachwortregister

Pressestimmen

»Insgesamt gelingt es Bruning, sehr kenntnisreich und anschaulich (trotz oder vielleicht wegen der Fülle von Querverweisen zu anderen Territorien) eine regionale Bildungsgeschichte nachzuzeichnen, wie sie moderner Sozialgeschichtsschreibung entspricht. Auf diese Weise ist er in der Lage, eine Vielzahl von Legendenbildungen aufzubrechen, deren Ursachen vielfach in ideengeschichtlich orientierter Geschichtsschreibung zu suchen sind. [...] Brunings Studie ist, wie viele der modernen Sozialgeschichtsforschung verpflichteten Projekte, interdisziplinär angelegt und spricht damit gleichermaßen HistorikerInnen, PädagogInnen und TheologInnen an. Durch die gute Lesbarkeit stößt sie hoffentlich auch auf Interesse von NichtwissenschaftlerInnen; die ›nur mal schnuppern‹ wollen, zur spannenden Lektüre.«
Monika Fiegert, in: Osnabrücker Mitteilungen, Band 104 (1999)

»Die vorgelegten Ergebnisse beeindrucken uneingeschränkt.«
Uwe Schirmer, in: Neues Archiv für sächsische Geschichte, Band 70 (1999)

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