(Hrsg.)
Archivarbeit im und für den Nationalsozialismus

Die preußischen Staatsarchive vor und nach dem Machtwechsel von 1933

2015. 8 Tab., 8 Abb., 1 farbige Karte (als lose Beilage); 623 S.
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ISBN 978-3-428-14746-5
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Beschreibung

Die Jahre zwischen 1929 und 1945 unter den Generaldirektoren Albert Brackmann und Ernst Zipfel veränderten das preußische Archivwesen mit besonderer Dynamik. Neben zum Teil selbst gewählten neuen oder intensivierten Arbeitsschwerpunkten (z.B. »Ostforschung«, Archivpflege, Archivgesetzgebung, Fachausbildung) kamen in den Staatsarchiven deutlich gestiegene Arbeitsbelastungen durch hohe Benutzerzahlen und umfangreiche Archivalienzugänge hinzu, bevor im Krieg neue Prioritäten folgten (v.a. »Archivschutz«, dabei Auslagerung von Archivbeständen, aber auch Erfassung und Verlagerung von Archivalien aus den besetzten Gebieten). In 15 Beiträgen, die auf den Vorträgen einer Tagung im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz vom März 2013 basieren, gehen die Autoren der Frage nach, wie sich die archivische Arbeit in den preußischen Staatsarchiven während der letzten Jahre in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus gestaltete. Beeinflussten Politik und Ideologie die Facharbeit maßgeblich? Und welche Konsequenzen folgten daraus für das preußische Archivwesen und sein Zentralarchiv, das Geheime Staatsarchiv in Berlin-Dahlem?

Inhaltsübersicht

A. Professionalität, Anpassung und Teilhabe

Sven Kriese
Albert Brackmann und Ernst Zipfel. Die Generaldirektoren im Vergleich

Wolfgang Neugebauer
Die »Strafversetzung« von Carl Hinrichs. Politischer Eklat oder Professionalisierungskonflikt?

Angelika Menne-Haritz
Ernst Posner – Professionalität und Emigration

B. Archive zwischen Preußen und Reich

Ingeborg Schnelling-Reinicke
Gegeneinander – miteinander: Der preußische Führungsanspruch unter den deutschen Staatsarchiven und das Reichsarchiv

Klaus Neitmann
Provinzialarchiv innerhalb oder außerhalb des Zentralarchivs? Das »Staatsarchiv für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin« zwischen Alltagsanforderungen und Zukunftsvisionen in der Weimarer Republik und NS-Zeit

Susanne Brockfeld
Geschichte(n) aus der Provinz. Die Jahre 1933–1945 im Spiegel ost- und westpreußischer Provinzialüberlieferung

C. Benutzung und Auswertung

Christoph Nonn
Direkte und indirekte Beiträge zur nationalsozialistischen Vertreibungs- und Vernichtungspolitik: Die Landesstelle Ostpreußen der Zentralstelle für Nachkriegsgeschichte unter Theodor Schieder

Stefan Lehr
Restriktionen für polnische Historiker in preußischen Archiven? Die Behandlung der Benutzungsanträge polnischer Staatsbürger (1928–1939)

Martin Munke
»… die Interessen des deutschen Volkstums zu stützen und zu fördern«. Die Publikationsstelle Berlin-Dahlem 1931/33 bis 1943/47

Annette Hennigs
Das Staatsarchiv Münster zwischen Ariernachweisen, Sippenforschung und Rassenforschung

D. Überlieferungsbildung, Archivschutz und Ausbildung

Ulrich Kober
Bewertung und Übernahme von Archivgut durch das Geheime Staatsarchiv in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)

Pauline Puppel
Die »Heranziehung und Ausbildung des archivalischen Nachwuchses«. – Die Ausbildung am Institut für Archivwissenschaft und geschichtswissenschaftliche Fortbildung in Berlin-Dahlem (1930–1945)

Mathis Leibetseder
Konkurrenz als handlungsleitendes Moment. Zur Politik der Preußischen Archivverwaltung auf dem Gebiet der Archivpflege vor und nach 1933

Johannes Kistenich-Zerfaß
Auslagerung von Archivgut im Zweiten Weltkrieg. Selbsthilfe der Staatsarchive oder zentrale Steuerung durch den Kommissar für Archivschutz?

E. Das preußische Zentralarchiv nach dem Krieg

Jürgen Kloosterhuis
Staatsarchiv ohne Staat. Das GStA in den ersten Nachkriegsjahren, 1945 bis 1947. Eine archivgeschichtliche Dokumentation

Nachweis der Abbildungen

Ortsverzeichnis

Personenverzeichnis

Pressestimmen

»Besonders für Archivarinnen und Archivare, die in ehemals nicht preußischen Archiven tätig sind, sind die Beiträge im zweiten Abschnitt des Buches von Interesse. […] Insgesamt bewegen sich alle Beiträge auf einem bemerkenswert hohen Niveau und basieren auf eingehenden Archivstudien, vorrangig des Bestands ›GStA PK, I., HA Rep. 178 Generaldirektion der Staatsarchive‹, somit der archivierten Dienstregistratur der Preußischen Archivverwaltung (vgl. S.6). Es ist sehr erfreulich, dass für den Bereich einer besonders wichtigen Archivverwaltung das Thema so intensiv und vielschichtig aufgearbeitet wurde, und zu hoffen, dass in gleicher Weise der Geschichte weiterer Archivverwaltungen nachgegangen wird.« Robert Kretzschmar, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, Band 77 / 2018

»Bei dem vorliegenden Sammelband handelt es sich um eine verdienstvolle Leistung, die den gegenwärtigen Forschungsstand zusammenträgt sowie in Teilen Neues bietet.« Dr. Karsten Jedlitschka, in: Historische Zeitschrift, Band 305, Heft 1/2017

»Ein zuverlässiges Orts- und Personenregister erschließen den Tagungsband, dessen Autoren aus einem reichen Fundus an bisher unpublizierten bzw. nicht ausgewerteten Dokumenten schöpfen konnten und die Situation eines der bedeutendsten und traditionsreichsten deutschen Archive in einer schwierigen Zeit beleuchten, ohne zudem Vor- und Nachgeschichte außer Acht zu lassen.« Manfred Komorowski, in: Informationsmittel für Bibliotheken, abgerufen am 21.02.2016

»Insgesamt ist jeder einzelne Beitrag des Sammelbandes lesenswert. Seine Themenbreite macht ihn gleichzeitig zu einem wichtigen Beitrag für die vergleichsweise unterentwickelte Forschung zum deutschen Archivwesen in der NS-Zeit.« Peter M. Quadflieg: Rezension zu: Kriese, Sven (Hrsg.): Archivarbeit im und für den Nationalsozialismus. Die preußischen Staatsarchive vor und nach dem Machtwechsel von 1933. Berlin 2015 , in: H-Soz-Kult, 19.05.2016, .

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